Südmährerkapelle
3820 Großau
Hauptstraße Großau
Waidhofen/Thaya
Waldviertel
Kirche Kapelle
Beton
ausgeführt
Fertigstellung: 1974
48° 53' 3'' N
15° 30' 52'' E
DEN VERTRIEBENEN
Im Gedenken an die Vertreibung der Sudetendeutschen oder Südmährer nach 1945 errichtete knapp 30 Jahre nach seiner Flucht ein Baumeister auf seinem Grundstück eine Kapelle, die heute nach dem Tod des Stifters von einem Verein erhalten wird.
Eine Schenkung an die katholischen Kirche oder die Gemeinde war nicht möglich gewesen. Die Kapelle ist auf das Wesentlichste reduziert. Der schlichte, kubische Sakralbau aus Beton wurde 2004/2006 saniert und wechselte seinen Außenanstrich von Weiß in Hellgelb. Die Fassade verweist auf Klemens Maria Hofbauer (1751–1820), dem die Kapelle gewidmet ist. Der Geistliche des Redemptoristenordens gilt als Schutzheiliger der Südmährer und ist zugleich Schutzpatron von Wien. Das 4 m hohe Kreuz in verzinktem Formrohr am Turm, das bei der Renovierung vollständig erneuert wurde, ist nach Nordosten, Richtung Tschechien, orientiert. Die Fenster bestehen aus Gussglas, teilweise farbig und strukturiert, und wurden erhalten. Innen kam ebenfalls Farbe zum Einsatz: Weinrot an der Frontseite, Ocker an der Seitenwand. Zur Ausstattung gehört ein schlichter Volksaltar. Die Gemeinschaft der ehemals Vertriebenen, die sich in Großau rasch integrierten, versammelt sich zu besonderen Anlässen in der Kapelle, etwa bei Taufen. Es ist ein Ort, an dem man sich an die alte Heimat erinnert, die durch die Beneš-Dekrete enteignet wurde. Eine Gedenktafel in Bronze erklärt die Widmung.
Text: Theresia Hauenfels